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Etappe 40

La Rochelle – Saint-Agnant  ca. 64 km

Anfang gut, Ende gut.

Was für ein chaotischer Tag! Den Morgen lassen wir ruhig angehen und frühstücken ausgiebig auf dem Boden vor unserem Zelt. Bevor wir starten, halten wir ein kurzes Pläuschchen mit dem deutschen Pilgerpärchen. Sie wirken etwas unorganisiert und wir erzählen ihnen erstmal, dass es auf diesem Campingplatz eine mega Lagune gibt. Das hatten sie noch gar nicht bemerkt. Relativ spät fahren wir endlich los und die ersten Kilometer sind klasse, denn sie führen direkt an der Strandpromenade entlang. Wieder etwas Gegenwind, aber der lässt zum Glück am frühen Nachmittag nach. Als wir nämlich nach Rochefort kommen, müssen wir zuerst eine Fahrradwerkstatt aufsuchen, um Josis Fahrrad auf Vordermann bringen zu lassen. Die ausgewählte Werkstatt gibt es aber nicht mehr. Dann eben wieder zu Decatlon, dort gibt es auch Campinggas und Schuhe für Josi. Vom lauter Heringe in die Erde drücken sind unsere Sohlen schon etwas rampuniert. Wir stellen fest, dass Decatlon direkt an der Vélodyssée liegt, wie praktisch. Im Geschäft dauert aber alles sehr lange und während Josi ihre Sachen erledigt, suche ich nach Gaskartuschen. Leider gibt es keine passenden für unseren Kocher. Ich kaufe also einen Neuen, bei dem auch die gerade verschenkte Kartusche gepasst hätte. Kann man ja auch nicht ahnen, dass es unser Modell hier nicht gibt. Dafür haben wir die beiden Pilger glücklich gemacht.

Nach dem Shoppen geht’s weiter durch die Stadt. Wir vertütteln uns 2x in der Stadt und stehen wieder vor einer riesigen 4-spurigen Autobahn-Brücke. Wir schauen uns an und sind uns einig: Keine großen Brücken mehr, wenn es sich vermeiden lässt! Und es lässt sich vermeiden. Auch die Vélo Route führt nicht über diese Brücke, sondern eine kleine, die mit 16 km Mehrweg verbunden ist. Wir müssen auch noch Verpflegung und Wasser besorgen und haben das Gefühl, uns läuft heute die Zeit davon. Als wir endlich aus der Stadt heraus gefunden haben, eingekauft und 3 vegane Magnumeis vernascht haben, läuft es wieder besser. Auf einmal verläuft der Weg immer leicht abschüssig und wir liegen fast durchgehend bei 20 km/h. Das macht Spaß! Irgendwann läuft vor uns eine Gruppe von Leuten, die bei unserem Klingeln aufgeregt und lachend zur Seite springt, sich zum Spalier am Wegesrand aufstellt und klatscht, jubelt und uns anfeuert! Geil! Das hat gerade gefehlt und uns nach diesem chaotischen Tag richtig gut getan. Kurz darauf halten wir an, um unseren ausgewählten Campingplatz bei Tante Google einzugeben, da spricht uns ein älteres Spaziergänger-Paar an und fragt, ob sie helfen können. Auf Händisch, Füßisch und Französisch beschreiben wir unsere Situation und sie geben uns einen wertvollen Tipp, wie man die letzten 6 km halbieren kann. Klasse! Wir sind sehr dankbar dafür nach diesem Tag. Die letzten Kilometer verkaufen dann auch noch über einen sehr steinigen Weg, bei dem man das Gefühl hat, von Kopf bis Fuß durchgeschüttelt zu werden, immer wieder auf den größeren Steinen wegrutscht und sich einfach nur wünscht, dass es aufhören soll. Der Moment, in dem man dann wieder glatten Asphalt unter den Reifen hat, ist eine himmlische Wohltat. Und plötzlich sagt Tante Google: ,,Sie haben das Ziel erreicht“.

Tatsächlich. Wir landen auf einem super schnuckeligen Campingplatz, der sogar um 19 Uhr noch geöffnet hat und sind absolut begeistert. Alles ist bunt angemalt, es stehen lauter Dekorationen herum und kleine wie große Palmen zieren den Wegesrand. Es herrscht eine sehr friedliche Atmosphäre an diesem Ort, mitten in der Pampa. Die Betreiberin erzählt uns, dass sie nur ein einziges deutsches Wort weiß und das ist: Kartoffelsalat. Wir lachen alle 3.

Erkenntnis des Tages: Ich bin froh und dankbar, dass ich im Frieden leben darf.

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