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Vom Nordkap nach Pahlen: Tag 182 – Ebeltoft – Hou ca. 81 km/10.071 km

Weekend Water

Dichter Nebel umgibt mich, als ich aus dem Zelt komme. Es hat aufgehört zu regnen. Alle schlafen noch. In der vorhandenen Küche kann ich wieder den Wasserkocher für meinen Morgenkaffee benutzen. Anschließend pache ich meine nassen Sachen ein. Das Zelt trieft nur so…..

Frische, feuchte Luft umgibt mich auf den ersten Kilometern. Dann vertreibt die Sonne langsam den Nebel und die Küste, auf der anderen Seite der Bucht, wird erkennbar. Irgendwann ist auch der letzte Dunst verschwunden und es wird wieder sommerlich warm. An einem Sportplatz breite ich alle nassen Klamotten zum Trocknen aus. Plötzlich höre ich eine Stimme hinter mir. „Hey.“ Ich drehe mich um und sehe einen freundlich, strahlenden, älteren Herrn auf einem Rennrad. Er ist ganz zutraulich und fragt mich aus. Dann erzählt er von seinen Reisen,  dass er schon 80 Jahre alt sei und zeigt mir Fotos von seiner Familie. Er sei hier, um die Räumlichkeiten am Sportplatz zu reinigen, erzählt er auch. Ein quirliges Kerlchen. Er fragt, ob ich auf die Toilette muss und Strom + Wasser brauche. Dann kommt er mit einem Getränk auf mich zu und sagt: „Das ist ein Geschenk für dich. Aber nicht jetzt trinken, da ist Alkohol drin.“ Ich halte ein Partygetränk in der Hand und lese den Aufdruck „Weekend Water“. Ich bedanke mich und erzähle ihm, dass ich soeben die 10.000 km Marke überschritten hätte und es tatsächlich einen Grund zum Feiern gibt.

Nach 30 Minuten ist er wieder weg, ich warte noch, bis alles trocken ist und fahre dann nach Aarhus. Auf der Suche nach einem veganen Lokal dort in derStadt, gerate ich in ein Künstlerviertel. Von einer Bank aus, vor dem Lokal, beobachte ich das bunte Treiben. Es ist Mittwoch Nachmittag und die Menschen sitzen in den Straßencafés, auf den Bänken, vor den Kneipen und genießen das Leben. Bei uns wäre das eher an einem Samstag so. Alles ist ruhig und entspannt. Es ist keine Aufregung zu spüren. Ich höre wieder verschiedene Sprachen, sehe kunstvoll gestaltete Fassaden, interessante Menschen, lasse die Sonne auf meine Haut scheinen und fühle mich mittendrin.

Durch die Stadt führt ein breiter Radweg, der es mir leicht macht, durch den Verkehr zu kommen. Hinter Aarhus verläuft der Weg dann auf wunderschönen Waldabschnitten, sehr nahe an der Küste entlang. Es ist nach wie vor sehr hyggelig und dann kommt auch noch ein kräftiger Gegenwind dazu. Nach 80 km mag ich nicht mehr und biege zur nächsten Shelter ab.

Hier stelle ich als erstes mein Zelt zum Trocknen auf, denn für den Abend ist schon wieder Regen angekündigt. Nach einer Weile bekomme ich Gesellschaft von einem deutschen, jungen Radlerpaar. Sie machen eine Woche Urlaub in Dänemark und sind etwas frustriert vom Wetter. Während wir uns den Abend über unterhalten, trinke ich mein Weekend Water und feiere heimlich die 10.000 geschafften Kilometer.

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