Überspringen zu Hauptinhalt

Von Santiago zum Nordkap: Tag 151 – Muotkäjärvi – Palojärvi ca. 39 km/8314 km

Ein süßes Geschenk & Temperatursturz

Der Regen prasselt auf unser Zelt. Die Blase ist voll. Wir mögen nicht raus. In einem trockenen Moment nutzen wir unsere Chance. Der Wind pfeift und es ist einfach ungemütlich geworden. Zusammengekauert sitzen wir im Zelt, beobachten die Tropfen und wärmen unsere Hände am Kaffeebecher. Dafür sind immerhin keine Moskitos oder Bremsen mehr unterwegs.

Relativ früh und in unserem ursprünglichen Rhythmus brechen wir auf. Durch die Kälte haben wir das Bedürfnis, uns zu bewegen, um warm zu werden. Auf dem nächsten Campingplatz nutzen wir die Gelegenheit, die Wasservorräte aufzufüllen. Eine Temperaturanzeige zeigt 7 Grad an. Durch den eisigen Wind fühlt es sich allerdings deutlich kälter an. Mir wird klar, dass das heute ein norddeutscher Wintertag ist. Auf dem Campingplatz begegnen wir Mike aus Bayern. Er erzählt, dass er frisch in Rente ist und nun zum Nordkap radelt. Er freut sich über das kalte Wetter, da er endlich seine Wintersachen anziehen kann. Wir gehen mit dieser Einstellung nicht ganz konform.

Im Aufenthaltsraum können wir uns etwas aufwärmen und unsere Wasserflaschen mit warmem Wasser füllen. Eine Finnin spricht uns an und ist sehr angetan von unserer Reise. „Respect“, sagt sie zum Abschluss und verabschiedet sich.

Wir entscheiden uns, noch einen kurzen Abstecher zum Supermarkt zu machen, um die finnischen Pfandflaschen abzugeben und unsere Vorräte für Norwegen aufzufüllen. Dort wird es vermutlich teurer. An der Kasse vernehmen wir eine bekannte Stimme: „Do you buy cookies?“ Angelo steht hinter uns. Wir freuen uns, ihn wiederzusehen. Als wir zu unseren Rädern kommen, liegt eine Tüte mit Schokochips in meinem Helm. Wir wundern uns und fragen Angelo, ob er sie uns geschenkt hat. Er verneint. Dann hat uns wohl jemand Fremdes eine süße Freude bereitet. Ein österreichisches Paar spricht uns auch noch an, die gerade am Nordkap mit ihrem Van waren, und so sind schnell 1,5 Stunden vergangen.

Der Himmel verdunkelt sich wieder und wir ziehen sicherheitshalber unsere Regencapes über. Angelo startet vor uns. Auf der Strecke sehen wir ihn immer wieder vor uns, wie er sich bergauf gegen den scharfen Nordwind abmüht. „So müssen wir auch aussehen“, denke ich kurz. Dann kommt auch noch Regen dazu, der sich wie Eisregen anfühlt. In einem kleinen, trockenen Moment schaffen wir es, schnell ein Brot zu essen. Nach 39 km erreichen wir den ersten Campingplatz und sehen Angelos Fahrrad dort. Wir hatten sowieso die Idee, hier zu bleiben, wenn sich das Wetter nicht bessert. Er kommt uns entgegen und sagt freudestrahlend: „This is the place to be!“ Das bestätigt uns noch mehr in unserer Entscheidung, diesen Campingplatz als Bleibe zu nutzen. Scheinbar haben schon andere Radler diese Gelegenheit genutzt, um diesem nasskalten Tag zu entgehen. Die Frau an der Rezeption sagt, dass heute der kälteste Tag in diesem Sommer sei.

Deshalb gönnen wir uns eine kleine Hütte mit Heizung.

Süßes Geschenk
Mittagspause
An den Anfang scrollen
Suche