Überspringen zu Hauptinhalt

Etappe 41: Santiago de Compostela

Weihrauch, Glückseeligkeit und Pilgergemeinschaft

Endlich ausgeschlafen! Heute Morgen reicht die Katzenwäsche aus und dann mache ich mich auf den Weg in die Stadt, um meine Compostela abzuholen. Um 8:45 Uhr stehe ich mit einigen anderen Pilger*innen vor dem Pilgerbüro. Ich registriere mich schon mal online, bevor um 9 Uhr die Tür geöffnet wird. Eine Frau ruft laut: ,,Zutritt nur mit Maske“! Mist….die habe ich jetzt nicht dabei.  Die Frau gibt mir den Tipp, dass man in einem der Souvenirläden Masken bekommt.  Also renne ich los. Tatsächlich bekomme ich im ersten Geschäft eine Maske und eine Hülle für meine Urkunde. Dann reihe ich mich wieder ein und bekomme tatsächlich Nummer 28. Es dauert dieses Mal nur 30 Minuten und keine 4 Stunden, wie im letzten Jahr. Überglücklich gehe ich anschließend durch die Stadt und suche mir ein Café für mein Frühstück. Ich platziere mich extra direkt in der,,Einlaufschneise“ der Pilger, damit ich Silvia, Manon, Frank und Johann dort empfangen kann. Da sie noch ein wenig auf sich warten lassen, trinke ich dort gleich drei Tassen Kaffee mit Sojamilch. Dieses seltene Glück muss ich ja ausnutzen. Währenddessen beobachte ich die Neuankömmlinge und sehe in ihren Gesichtern die Anspannung, Freude und die sonstigen überschwappenden Emotionen. Ich fühle mich mit ihnen verbunden und kann mir ein paar Tränchen der Rührung nicht verkneifen.

Irgendwann entscheide ich mich, einfach zur Kathedrale zu gehen und dort auf die anderen zu warten. Auf dem Platz ist eine Militärveranstaltung und ringsherum ist alles abgesperrt. Ich bin froh, dass ich gestern angekommen bin und den Anblick der Fassade, wie immer, genießen konnte. Scheinbar hat ,,meine Truppe“ einen anderen Weg genommen und sind schon angekommen, ohne an mirvorbeizulaufen. Wir begrüßen uns freudig und gehen direkt im Anschluss in die Pilgermesse. Endlich!

Die Kathedrale ist von innen, wie von außen zum niederknien. Ich bin tief beeindruckt von der opulenten, pompösen Gestaltung uns den prunkvollen Verzierungen, allesamt vergoldet. Die Orgelpfeifen sind ungewöhnlicherweise horizontal angeordnet. Während der Messe beobachte ich, wie viele Pilger*innen, die auf dem Boden sitzen wie wir, schlafen. Dann tippt mir eine Frau auf die Schulter und bietet mir ihren Stuhl an. Silvia hat auch einen Platz bekommen. Was für ein Glück! Kurz vor dem Ende der Messe ist es soweit. Das Weihrauchfass setzt sich in Bewegung und fängt an, hin und her zu schwingen. Dazu spielt die Orgel und ein klassischer Gesang ertönt. Die gesamte Aktion dauert nur drei Minuten, ist aber ziemlich beeindruckend und geht absolut unter die Haut! Glückseelig komme ich aus der Kirche.

Auf dem erneuten Weg zum Pilgerbüro, damit die anderen auch ihre Compostela abholen können, machen wir noch ein kleines Fotoshooting vor der Kathedrale. Dort treffe ich zu meiner Überraschung auch Ruth (Klapprad) mit ihrem Mann und Anne und Tobi. Was für ein wunderschönes Ereignis!!! Ich halte noch ein kleines Pläuschchen mit Anne & Tobi, die überglücklich und auch glückseelig sind, es geschafft zu haben. Ich freue mich besonders mit den Beiden, da es zwischendurch des öfteren auf der Kippe stand, ob sie es schaffen würden, da es beibeiden gesundheitliche Probleme gab.

Silvia, Manon, Johann und Frank haben inzwischen auch ihre Urkunden abgeholt und wir gehen gemeinsam zum Mittagessen. Dann verabreden wir uns für den Abend in der Stadt. Schließlich darf jetzt auch mal gefeiert werden! Ich fühle mich sehr wohl mit allen Vieren und bin wieder einmal mehr erstaunt, wie gut wir harmonieren und zusammen passen. Diese Begegnung gehört wohl auch in die Kategorie: Camino-Magic

Erkenntnis des Tages: Ich fühle mich gut in meiner Piögergemeinschaft aufgehoben.

An den Anfang scrollen
Suche